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„Jeder Mensch Braucht Eine Wohnung“
Chor und Instrumentalgruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks Traunstein machte den Gottesdienst zum Diakoniesonntag auch musikalisch zu einem Erlebnis.

„Jeder Mensch braucht eine Wohnung“

Eindringliche Botschaft bei Diakoniesonntag – Auch in Traunstein gibt es wohnungslose Menschen

Traunstein. Das war ein frohgestimmter Gottesdienst zum Diakoniesonntag – trotz des ernsten Themas „Wohnungsnot“: Dafür sorgten die Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks Traunstein mit Chor und Instrumentalgruppe. In dieser musikalisch bestimmten Atmosphäre fand Diakon Robert Münderlein, der Leiter der Sozialen Dienste der Diakonie, ernste Worte zur aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt – als Einstieg zur Herbstsammlung der Diakonie, die unter dem Motto „Für die Wohnungslosenhilfe“ steht. Im Mittelpunkt der Sammlung, die vom 15. bis zum 21. Oktober im ganzen Freistaat durchgeführt wird, stehen die Angebote der Wohnungslosenhilfe: Spendenkonto DE 16 7105 2050 0000 0068 90, Stichwort H2018. Auch die Kollekte des Gottesdienstes war für die Wohnungslosenhilfe der Diakonie bestimmt.

Münderlein schilderte in seiner aufrüttelnden Predigt zunächst die aktuellen Zahlen: Demnach leben in Deutschland rund 50 000 Menschen auf der Straße. Dies sei aber nur die „Spitze des Eisbergs“; denn weitere 800 000 Personen hätten keine eigene Wohnung mehr und müssten bei Verwandten oder Freunden unterkommen und seien somit auf andere Menschen angewiesen und von ihnen abhängig. Auch in Traunstein, so betonte Münderlein, gebe es diese Fälle: „Natürlich bekommen Wohnungslose Lebensmittel von der Tafel am Montag und Mittwoch hier im Eingangsbereich unserer Kirche, doch wo sollen sie kochen?“ Die Diakonie biete immerhin die Möglichkeit an, sich zu duschen, Kleidung zu waschen und Decken zu bekommen. Auch eine Postadresse werde zur Verfügung gestellt, was immer wichtiger werde: „Jetzt Mitte Oktober sind es bereits 32 Menschen, die in diesem Jahr auf das Angebot angewiesen sind. Vor sechs Jahren waren dies noch 16 im ganzen Jahr.“ Und die Tendenz sei weiter steigend. Denn nicht nur in den Großstädten, „auch bei uns in Traunstein gibt es immer weniger bezahlbaren Wohnraum“.

Auseinandergehende Partnerschaften, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Wohnungskündigungen – wenn mehrerer solcher Ereignisse zusammenkommen, so Münderlein weiter, kämen Betroffene oftmals rasch in einen Teufelskreis, aus dem manche schwer oder gar nicht mehr herausfinden. Von daher fordert die Diakonie schon seit langem eine Fachstelle gegen Wohnungslosigkeit, „damit schnell und intensiv möglichst alles unternommen wird, dass die drohende Wohnungsräumung verhindert wird“. Mit eindringlichen Worten schilderte Münderlein den täglichen Überlebenskampf derer, die im Freien oder im Auto schlafen müssen, selbst wenn der Winter naht. Auch während des Tages stelle sich dann die Frage, wo es in Traunstein warme öffentliche Räume und preisgünstige warme Getränke gibt.

Münderlein stellte das Thema auch in Beziehung zum Grundgesetz und zur Religion. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Grundgesetz-Artikel 1, und zu dieser Menschenwürde „zählt auch das menschenwürdige Wohnen“, betonte der Prediger. Und zudem gebe es „einen klar erkennbaren Zusammenhang zwischen religiösem Tun und dem ethischen Verhalten gegenüber den Menschen“, also „zwischen dem, was man im Gottesdienst hört, betet und bekennt, und dem, wie man draußen vor der Tür miteinander umgeht: Wenn das auseinanderklafft, hat Gott keine Freude an uns.“ Zudem – so stellte Münderlein noch einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang her – zerreiße wachsende Ungleichheit die Gesellschaft von innen heraus. So dürfe das Recht auf menschenwürdigen Wohnraum nicht in Frage gestellt werden.

Die berührende Thematik des Gottesdienstes war hineingestellt in ein ebenfalls sehr ansprechendes musikalisches Programm. Der Chor und eine Instrumentalgruppe der Fachakademie für Sozialpädagogik des Diakonischen Werks Traunstein mit Gitarren, Kontrabass, Flöte, Hörnern und Djemben umrahmten die Feierstunde mit Instrumentalstücken und mit Liedern, die teilweise auch zusammen mit den Kirchenbesuchern gesungen wurden. Diese taten dies mit solch einer Begeisterung, dass sie bei dem sehr melodiösen irischen Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen“ gleich noch eine weitere Strophe anstimmten, obwohl das Orchester schon zu spielen aufgehört hatte. Im Lauf des Gottesdienstes erklangen die Instrumentalstücke „La petita“ und „Sally’s Garden“ und Lieder wie „Say something“, „Frieden wünsch‘ ich dir“ und ein „Halleluja“. Unterstützt wurden die Studierenden von den Lehrkräften Klaus und Barbara Danner, Barbara Berger und Monika Schwarzenbacher.

Diakonie-Vorstand Andreas Karau lobte „die ganz besondere und belebende“ musikalische Umrahmung der Studierenden: „Es war eine Freude, mit Ihnen zu singen!“ Und am Schluss gab es für alle Mitwirkenden noch rote Rosen, ehe sich die Gottesdienstbesucher vor der Kirche bei Kaffee und Gebäck noch zum gemütlichen Ausklang zusammenstellten.

 

Text: Hans Eder

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